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Kultur, historisches
Erbe und Volkskunst
In Katar werden Traditionen sorgsam gepflegt, zugleich
aber auch wird das kulturelle Erbe bereichert und an die moderne Zeit
angepasst. Als Teil dieser strategischen Vision hat das Herrscherhaus
den Hohen Rat für Kultur, Kunst und kulturelles Erbe eingerichtet (Supreme
Council of Culture, Arts and Heritage) und dem Emirat damit einen
wichtigen Platz auf der kulturellen Landkarte der arabischen und islamischen
Welt zugewiesen.
Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und vor Entdeckung
und Ausbeutung der Erdölvorkommen, war der Schiffsbau einer der wichtigsten
Wirtschaftszweige in Katar. Heute gibt es im Land nur noch eine einzige
Werkstatt für Schiffsbau, die Werkstatt des Emirs. Weit verbreitet ist
Al Sadu, die traditionelle Weberei – eine Kunst des Spinnens und Webens,
die vor allem in den Wüstenorten der Beduinen ausgeübt wird, da sie eng
mit der Verfügbarkeit der benötigten Rohstoffe verbunden ist, Schafwolle,
Kamel- und Ziegenhaar sowie Baumwolle. Der Sadu ist allein den Frauen
vorbehalten.
Die Goldschmiedekunst und der Handel mit Juwelen und kostbaren Steinen
sind zwei der ältesten Formen des traditionellen Kunsthandwerks; seit
langer Zeit werden die Namen einiger weniger Familien mit diesem Kunsthandwerk
in Verbindung gebracht, die Fertigkeiten von Generation zu Generation
vererbt. Zu den ältesten Handwerkskünsten gehören auch die Kunst der traditionellen
Stickerei von Männer- und Frauenkleidung und die Verkleidung von Häusern,
Festungen, Burgen, Türmen und Moscheen mit Gips, einem Werkstoff, der
selbst den härtesten klimatischen Bedingungen standhält.
Besucher des Landes können sich an der traditionellen Architektur erfreuen,
die in Katar in drei Kategorien eingeteilt wird: religiöse Architektur
(Moscheen), zivile Bauten (Burgen, Paläste, Häuser und Märkte) sowie militärische
Bauwerke (Festungen, Festungstürme und Mauern).
Seit jeher hat das Meer im Alltagsleben der Kataris eine lebensspendende
Bedeutung – vor der Entdeckung der Erdölvorkommen lebten die Menschen
vor allem vom Fischfang und dem Perlenhandel, einer der wichtigsten Einnahmequellen
des Landes. Seit der Ersetzung von natürlichen durch Zuchtperlen aus Japan
ist das Perlentauchen, einer der ältesten Berufszweige in der Golfregion,
unrentabel geworden.
Die Menschen in Katar und der Golfregion sind bekannt für ihre Leidenschaft
für die Falkenzucht. Dieses Hobby wird vom Vater auf den Sohn vererbt,
denn die Menschen in der Region verbinden damit auch Werte wie ritterliches
Benehmen, Mut, Geduld, Fleiß und Sorgfalt. Vor allem im Winter gehen die
Menschen dieser Freizeitbeschäftigung nach – zunächst bei der Falkenjagd,
später beim Abrichten der Vögel.
Die geographische Lage Katars auf der Ostküste der Arabischen Halbinsel
spiegelt sich im kulturellen Erbe des Landes wider. Die langjährigen Verbindungen
zu den Ländern auf dem Indischen Subkontinent und in Afrika prägten die
Kultur des Emirats vor allem in der Folklore und der Volkskunst. Charakteristisch
für Kunst und Folklore ist, wie in den anderen Staaten des Golf-Kooperationsrates
auch, vor allem die Vielzahl von Musikinstrumenten wie der indischen und
der afrikanischen Trommel, dem Tambourine, das in sämtlichen Folklore-Darbietungen
zur Aufführung kommt, sowie die Al-Mirwas, eine kleine Trommel, die mit
einer Hand gehalten und den Fingern geschlagen wird. Gleiches gilt für
die Al-Sirnai und das Rebec, einen Vorläufer der heutigen Violine, dessen
(einzige) Saite mit einem Bogen aus Pferdehaar gespielt wird sowie die
Laute.
Es gibt eine Vielzahl von volkskundlichen Liedern und Tänzen, die in Katar
von Künstlern oder Künstlergruppen aufgeführt werden. Besonders berühmt
ist der Ar-razif, ein komplizierter, von einem einzelnen Mann dargebotener
Schwerttanz.
Katar tritt engagiert für eine Bewahrung des folkloristischen Erbes ein
– so etwa endete ein diesbezügliches Treffen der Golfstaaten in Doha (das
erste seiner Art überhaupt) mit der Gründung des Folklorezentrums in Doha,
das 1991 zu einer autonomen Unterorganisation des Golf-Kooperationsrates
wurde. Wichtigste Aufgabe dieses Zentrums ist die Bewahrung des folkloristischen
Erbes. In Koordination mit der UNESCO und der Weltorganisation für Geistiges
Eigentum ist das Zentrum bestrebt, die Folklore als landeseigenen Brauchtum
vor der Ausbeutung durch das Ausland zu schützen, als sittlichen Wert
und materielles Recht der Vertragsstaaten.
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Eine Folkloregruppe |
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Eine besondere Form des Kunsthandwerks |
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Traditionelle Nähkunst |
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Ein Mädchen in typischer Landestracht |
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Ein Musiker spielt das traditionelle
Instrument „Rababa“ |
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